Bündnis Gesund Älter werden im Land Brandenburg

2. Plenum des Bündnis Gesund Älter werden
„Miteinander alt werden – Füreinander sorgen“ am 22. April 2015 in Potsdam

2. Plenum | Blick in den Saal Foto: Fabian Schellhorn

Drei Jahre Bündnis Gesund Älter werden im Land Brandenburg! Heute sind im Bündnis 39 Partner-Institutionen vertreten und arbeiten gemeinsam daran, die Bedingungen für ein gesundes Älterwerden im Land Brandenburg zu verbessern.
Das 2. Plenum des Bündnisses fand am 22. April in Potsdam mit über 100 landesweiten Akteuren statt. In Anlehnung an das Motto der Veranstaltung „Miteinander alt werden – Füreinander sorgen“ wurde das oskar. Das Begegnungszentrum in der Gartenstadt als Veranstaltungsort gewählt. Denn das Miteinander und die Begegnung aller Generationen sind hier selbstverständlich. Täglich betreten Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Seniorinnen und Senioren das Haus, nehmen Angebote wahr und bringen sich bei Projekten ein.

Begrüßung und fachliche Einführung

Kathleen Walter, Leiterin des oskar. Das Begegnungszentrum in der Gartenstadt begrüßte die Teilnehmenden und berichtete vom Miteinander und Füreinander der Stadtteilschule und des oskar. Beide Einrichtungen arbeiten unter einem Dach und unterstützen gemeinsam die Nachbarschaft. Sie verstehen sich als Gemeinschaftsort für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils Drewitz.

Diana Golze, Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und sagte zur Eröfnung: „Die Lebenserwartung steigt weiter an. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. Wir brauchen aktive Seniorinnen und Senioren, die mitmischen und mitgestalten. Dafür ist es entscheidend, dass die Menschen möglichst lange gesund und fit bleiben.“ Anschließend führte Ministerin Golze fachlich in das Thema ein, würdigte die erfolgreiche Arbeit des Bündnis Gesund Älter werden und gab einen Überblick über das Arbeitsspektrum.

Elona Müller-Preinesberger, Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit und Ordnung der Landeshauptstadt Potsdam, berichtete in Ihren einführenden Worten aus der kommunalen Perspektive. In Potsdam wächst neben Zuzügen von jungen Menschen die Zahl hochaltriger Bürgerinnen und Bürger über 85 Jahre. Frau Müller-Preinesberger: „Wir wissen, dass für ältere Menschen in unserer Stadt das aktive Teilnehmen am Leben in der Stadt, das selbstbestimmte Teilnehmen ein wichtiges Feld ist.“ Potsdam stellte sich die Frage, wie die Stadt der älter werdenden Generation besser gerecht werden kann und gründete 2006 das Netzwerk Älter werden in der Landeshauptstadt Potsdam.

  • [Einführung von Elona Müller-Preinesberger wird zeitnah eingefügt]
Kathleen Walter, Leiterin des oskar. Das Begegnungszentrum in der Gartenstadt Foto: Fabian Schellhorn
Diana Golze, Ministerin für Arbeit, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg Foto: Fabian Schellhorn
Elona Müller-Preinesberger, Beigeordnete für Soziales, Jugend, Gesundheit und Frauen der Landeshauptstadt Potsdam Foto: Fabian Schellhorn

Was haben wir geschafft? Wie geht es weiter?

Beiträge aus den Arbeitsgruppen des Bündnisses

Dr. Ingrid Witzsche, Akademie 2. Lebenshälfte Foto: Fabian Schellhorn
Manfred Kruczek, Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Foto: Fabian Schellhorn
Holger Kilian, Fachstelle Gesundheitsziele im Land Brandenburg Foto: Fabian Schellhorn
Bettina Suchan, Landeszahnärztekammer Brandenburg und Marco Träger, AWO Seniorenheim Wildau GmbH Foto: Fabian Schellhorn
Prof. Dr. Ulrich Schwantes, Landesärztekammer Brandenburg Foto: Fabian Schellhorn
Rüdiger Lehmann, Landkreis Teltow-Fläming, Gesundheitsamt Foto: Fabian Schellhorn

Beiträge der assoziierten Arbeitsgruppen/Netzwerke im Bündnis

Ernst-Friedrich Pernack, MASGF Foto: Fabian Schellhorn
Gabriele Schielke, LUGV Foto: Fabian Schellhorn
Ingrid Weber, bls e.V. Foto: Fabian Schellhorn

Fachvortrag

Älter werden in einer ,sorgenden Gemeinschaft' – Was heißt das für ländliche Lebensräume?
Dr. Antje Richter-Kornweitz, Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie für Sozialmedizin Niedersachsen e.V.

Dr. Antje Richter-Kornweitz, LVG AfS Niedersachsen e.V. Foto: Fabian Schellhorn

Dr. Antje Richter-Kornweitz (LVG AfS e.V.) hob in ihrem Vortrag die Bedeutung von Teilhabe und Selbstbestimmung für Wohlergehen und Lebensqualität im Alter hervor: Ein gutes Alter(n) ist ein Alter(n) voller Teilhabe und Selbstbestimmung. Sie betonte, dass dafür heutzutage relativ gute Voraussetzungen bestehen, auch abzulesen an der höheren Lebenserwartung, die deutlich verbesserte Gesundheits- und Lebenschancen widerspiegelt. Erhebliche Einschränkungen bestehen dabei jedoch für Ältere, die unter der Armutsschwelle leben, im Jahr 2013 immerhin 12,4% der Über-65Jährigen in Brandenburg. Die Referentin ging außerdem näher auf den Begriff der sorgenden Gemeinschaft ein, in dem aus ihrer Sicht ein altbekanntes Gebilde versteckt ist: „Nachbarschaft“. Die Erwartungen an dieses soziale Gefüge sind hoch. Die Frage ist: Was kann und muss Nachbarschaft (im ländlichen Raum) leisten, um dem zu entsprechen? Stimmen die strukturellen Bedingungen, damit sich die notwendige Qualität der Kontakte und des sozialen Zusammenhalts entwickeln kann? Was gebraucht wird, ist bekannt. Erforderlich ist es, „Strukturen zu schaffen und Beziehungen zu stiften“. Die Referentin nannte dafür unverzichtbare Voraussetzungen auf verschiedenen Ebenen und führte insbesondere den Bedarf auf der lokalen Ebene näher aus.

Kommentare

Prof. Dr. Sieglinde Heppener, Seniorenrat des Landes Brandenburg e.V. Foto: Fabian Schellhorn

Prof. Dr. Sieglinde Heppener, Vorsitzende des Landesseniorenrates Brandenburg, nahm in ihrem Kommentar landespolitische Prozesse und die Sicherheit der Lebensperspektive der Menschen vor Ort in den Blick. Brandenburg habe mit den Seniorenpolitischen Leitlinien „Alt werden im Land Brandenburg“ gute Voraussetzungen geschaffen. Ihr Bekanntheitsgrad in den Kommunen sei groß. Die Landesregierung arbeite im Themenfeld „Aktives Altern“ ressortübergreifend und habe 2011 mit dem Seniorenpolitischen Maßnahmepaket "Aktives Altern in Brandenburg" einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Bündnis Gesund Älter werden ist in diesem Maßnahmepaket verankert. Frau Prof. Heppener: „Es geht darum, dass wir Leben gestalten, dort wo wir zu Hause sind – das ist in den Kommunen. Es geht um die Erhaltung des dörflichen Raumes.“ Wichtige Beiträge dazu seien die Erhaltung der dörflichen Infrastruktur, die Sicherstellung einer wohnortnahen gesundheitlichen Versorgung und die Stärkung nachbarschaftlicher Zusammenhänge. Wichtig sei ebenfalls, diskriminierende Altersgrenzen hin zugunsten teilhabefördernder Angebote abzuschaffen.

Gerhard Meck, Gesunde Städte-Netzwerk (Bund) Foto: Fabian Schellhorn

Als Vertreter des Bundesnetzwerks Gesunde Städte sprach Gerhard Meck Empfehlungen für den Aufbau kommunaler Netzwerke aus und sagte: „Das Bündnis Gesund Älter werden ist ein starker Aufschlag. Bundesweit ist es üblicher, Bündnisse und Bausteine der Gesundheitsförderung und Prävention in Settings von Kindern und Jugendlichen zu verorten. Es lohnt sich die Impulse, Initiativen und Ideen des Bündnis Gesund Älter werden in die Fläche zu bringen, nah an die Menschen, dort wo sie leben.“ Gerhard Meck betonte, dass solche Netzwerke neben Akteuren und Dienstleistern des Gesundheitssektors auch weitere Schlüsselpartner in den kooperativen Prozess zusammen holen. Akteure auf dem Feld des Wohnens, der Quartiersentwicklung, der Nahversorgung, der Mobilität, der Grünflächen, des Sports, der Freizeit, Kultur und sozialen Infrastruktur, der bürgerschafltichen Initiativen und nachbarschaftlichen Strukturen. Dafür brauche es hauptamtliche Koordinatoren und Multiplikatoren vor Ort. Gerhard Meck verwies auf das Programm Netzwerk Gesunde Kinder im Land Brandenburg, als ein Beispiel wie es gehen kann. „Ein solches Programm für die Lebenswelt der Älteren aufgelegt, bringt Brandenburg sicher voran.“

 

 

Parallele Foren am Nachmittag

Forum 1: Nachbarschaft bewegen – Gemeinschaft fördern: Ein Stadtteilspaziergang in der Gartenstadt Drewitz
Drewitz ist ein dicht besiedelter Stadtteil. Nach Angaben der Stadtverwaltung wohnen auf einem Quadratkilometer 1.900 Einwohner. Das Durchschnittsalter der mehr als 7.200 Einwohner/innen liegt bei 40,8 Jahren. Der Stadtteil Drewitz hat sich vom reinen Wohngebiet zur Gartenstadt mit zahlreichen Begegnungs- und Kommunikationsmöglichkeiten im öffentlichen Raum gewandelt. Der Stadtteilspaziergang mit Karin Juhász (Fachbereich Stadtplanung und Stadterneuerung, Landeshauptstadt Potsdam), Dr. Kristian Klüsener (Pro Potsdam GmbH) und Carsten Hagenau (Projektkommunikation GmbH) entlang der Konrad-Wolf-Allee zeigte, wie Stadtumbau zu einer familiengerechten und damit auch seniorengerechten Stadtentwicklung führt. Gleichzeitig veranschaulichte der Spaziergang Möglichkeiten der Wohnumfeldgestaltung wie z.B. vielseitige Begegnungs-, Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten im öffentlichen Raum, um Nähe und Gemeinschaft im Stadtteil herzustellen. Die mit den Anwohnerinnen und Anwohnern im Dialog gestaltete Gartenstadt spiegelt die Bedürfnisse einer altersdiversen Gemeinschaft: Barrierefreiheit, Aktivplätze und Spielgeräte sind Elemente eines Konzeptes, das sowohl Begegnung als auch Bewegung aller Altersgruppen ermöglicht.

Karin Juhász, Landeshauptstadt Potsdam, informiert über den Stadtteil Foto: Fabian Schellhorn
Karsten Hagenau, Projektkommunikation GmbH, berichtet vom Planungsprozess Foto: Fabian Schellhorn
Teilnehmende des Spaziergangs in Potsdam-Drewitz Foto: Fabian Schellhorn


Forum 2: Wohnen und Gesundheit im Alter

Was macht ein gutes, gesundes und den Bedürfnissen im Alter angepasstes Wohnen aus? Unter Moderation von Tatjana Schulz (Gesundheit Berlin-Brandenburg) wurde im Forum diese zentrale Frage lebendig und das Thema „Wohnen im Alter“ im gesundheitlichen Kontext individuell und umfassend betrachtet. Mehrere Dimensionen wirken bei einem „gesunden Wohnen im Alter“ ineinander:

  • das Wohnen in seiner baulich-physischen Form,
  • das bedarfsgerechte, barrierearme bzw. barrierefreie Wohnangebot,
  • sozial-integrative Aspekte – wie die Nachbarschaft, das Miteinander sowie die Angebots- und Dienstleistungsstrukturen, die es ermöglichen das eigene Leben selbst gestalten und organisieren zu können.

Dr. Ingrid Witzsche (Akademie 2. Lebenshälfte) und Dr. Wolfgang Schönfelder (Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V.) führten fachlich in das Thema ein. Vertreterinnen und Vertreter dreier Praxisbeispiele (Haus am Kalkgraben in Rüdersdorf, WOBAG e.V. in Schwedt/Oder, DORV-Zentrum Seddin) stellten nachfolgend ihr spezielles Wohn- und Lebensumfeld vor. Thematisiert wurden nicht nur die baulich barrierefreie Gestaltung des Wohnraumes, sondern auch die Nachbarschaft und fördernde Bedingungen im Wohnumfeld als sozialer Raum. Kontinuierlich zur Verfügung stehende soziokulturelle und medizinische Angebote sowie Möglichkeiten der Begegnung tragen u.a. dazu bei, ein zufriedenes und selbstbestimmtes Leben führen zu können – und Teil einer Gesellschaft zu bleiben, die Gemeinschaftserleben und die Kontrolle über die eigenen Lebensumstände als zentrale gesundheitliche Ressource bereithält.

Dr. Ingrid Witzsche berichtete von den Regionalen Praxisforen "Gut alt werden im Land Brandenburg" Foto: Fabian Schellhorn
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums Foto: Fabian Schellhorn
Antje Kircheis, Seniorenrat Rüdersdorf und Jana Tschakert, Pflege Brücke stellten das "Haus am Kalkgraben" vor Foto: Fabian Schellhorn


Forum 3: Beteiligungsprozesse mit älteren Menschen gestalten

Niemand ist zu alt, um sich aktiv in Beteiligungsprozesse einzubringen. Doch wie gelingt es, auch ältere Menschen zu aktivieren ihre Lebenswelt mitzugestalten? Prof. Dr. Michael Wright (Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin) stellte vor, wie Beteiligungsprozesse gelingen können und machte graduelle Unterschiede ihrer Ausgestaltung zwischen Teilnahme und Teilhabe deutlich. In der Gesundheitsförderung bedeutet Partizipation vor allem, eine andere Perspektive auf das Wesen sozialer Arbeit zu haben. Nach dem einleitenden Vortrag von Prof. Wright in das Konzept der Partizipation und deren Umsetzungsstufen analysierten die Teilnehmenden anhand des Modells „Kreise der Entscheidung“, welche Personengruppen im Rahmen ihrer Arbeit mit welchen Entscheidungskompetenzen eingebunden sind und welche Schritte hin zu mehr Beteiligung und Selbstbestimmung insbesondere der „Betroffenen“ möglich sind.

Vorstellung der Stufen der Partizipation in der Gesundheitsförderung und Prävention Foto: Fabian Schellhorn
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Forums Foto: Fabian Schellhorn
Prof. Michael Wright, Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin Foto: Fabian Schellhorn

Impressionen

Gesundheitsministerin Diana Golze (MASGF) im Gespräch mit der Beigeordneten Elona Müller-Preinesberger (Landeshauptstadt Potsdam) Foto: Fabian Schellhorn
Prof. Dr. Sieglinde Heppener (Seniorenrat des Landes Brandenburg) im Gespräch mit Antje Kircheis (Seniorenrat Rüdersdorf) Foto: Fabian Schellhorn
Gerhard Meck (Gesunde Städte-Netzwerk, Bund) im Gespräch mit Torsten Finger (Verein "würdevoll leben e.V.) Foto: Fabian Schellhorn
Dr. Ingrid Witzsche im Gespräch mit den Vertreterinnen des Praxisbeispiels "Haus am Kalkgraben" aus Rüdersdorf Foto: Fabian Schellhorn
2. Plenum | Blick in den Veranstaltungssaal Foto: Fabian Schellhorn
2. Plenum | Die Bürgerausstellung "Bewegt und mobil älter werden" zu Gast im "oskar". Foto: Fabian Schellhorn